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feronien
Entscheidung


„Meister, das verstehe ich nicht.“
Danaris musste lächeln. Die wenigsten Schüler verstanden die Aussage: „Macht heißt Dienen.“
Also fragte er: „Was genau verstehst du nicht?“
„Ihr meint, Macht bedeutet Dienen. Warum sind dann die Mächtigsten und Stärksten oft die Herren?“
„Du meinst die Fürsten und Könige.“
Das war keine Frage, dennoch antwortete Dumar: „Genau - sie sind mächtig und sie herrschen. Oft mit eiserner Faust.“
„Und, findest du das richtig?“
„Nun ja, verleiht die Macht ihnen nicht das Recht?“
Danaris wirkte nachdenklich als er antwortete: „Das würde bedeuten, dass die Mächtigsten die größten Herren wären. Das wären wir - und die Gargoyles. Wir wären die Herren dieser Welt.“
„Genau – wäre das nicht das Beste für alle?“
„Du meinst wie damals,“ entgegnetete Danaris, „beim großen Krieg?“
„Nein – natürlich nicht.“ erwiderte Dumar erschrocken. „Damals hat Luzius aus niederen Beweggründen sein eigenes Reich aufgebaut.“
„Ach so – hat er das? Was war denn sein Beweggrund?“
„Nun ja, er wollte sich und den Seinen mehr Sicherheit geben. Und er erkannte, dass er und die Seinen einfach bessere Herrscher für die Menschen sind.“
„Und was unterscheidet das von deinem Wunsch, dass wir die Herren der Welt werden?“
Dumar wollte schon antworten, doch Danaris winkte ihn ab: „Weißt du, es geht nicht um die Frage, ob Macht gut oder schlecht ist. Macht kann gut sein – oder schlecht. Es hängt davon ab, wie man sie gebraucht, ob zum Guten oder zum Bösen. Und natürlich – es gibt Punkte, wo die Starken und Mächtigen führen und entscheiden müssen. Eine Schlacht, wo nicht die Generäle, sondern die Wagenknechte entscheiden, wäre schnell verloren. Und natürlich wäre es wahnsinnig, einen Küchenjungen um Hilfe zu bitten, wenn es um Magie geht.
Wir haben unseren Platz in dieser Welt und wir haben auch unsere Aufgabe – aber, wir haben nicht die Aufgabe zu herrschen.
Magie ist einfach zu kontrollieren – zumindest verglichen mit dem Herzen eines Herrschers. Wir sind keine Herrscher – nicht, weil wir es nicht könnten, sondern weil wir nicht wollen.
Vielleicht wären du und ich wunderbare Herrscher – wahrscheinlicher aber würden wir unsere Macht missbrauchen, um unsere Leben zu verschönern, so wie es leider viel zu viele Fürsten dieser Welt tun.
Aber zu ihrer weltlichen Macht hätten wir noch unsere magischen Fähigkeiten – und wären damit schlimme Dämonen für die, die unserer Herrschaft leiden.
Wenn du herrschen willst – dann überlege dir gut, ob du dein Herz zügeln kannst.“

Dumar wirkte schweigsam, als der Meister ihn verließ. Noch lange dachte über die Worte nach.

*****

Und am nächsten Morgen verließ er in aller Frühe die Lehrstätte der Zauberer.


ENDE


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