Disclaimer: Die Marke 'Star Wars', die Fiktion und sämtliche Begriffe, Figuren, Charaktere, etc daraus gehören Lucasfilm Ltd.. Diese Fanfictions dienen der Unterhaltung und sind ohne jedes finanzielle Interesse geschrieben und veröffentlicht worden. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben bei mir, dem Autor. Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.

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starwars
Zwiegespräch


"Obi-Wan"



Blitzschnell hatte Obi-Wan sein Lichtschwert gezogen und gezündet. Schließlich hatte er diesen Namen seit fünf Jahren nicht mehr benutzt, seit dem Tag, an dem er nach Tatooine zog. Doch nahezu zeitgleich spürte er, dass niemand anwesend war. Er wurde über die Macht gerufen.

"Wer ist da?"

"Ist das so wichtig?"

"Was willst du von mir?"

"Ich muss mit dir reden, Obi-Wan."

"Und worüber?"

"Über deinen Schüler, Anakin."

"Anakin ist tot."

"Nein, falsch. Und das weißt du: Anakin lebt."

"Diese Maschine meinst du? Diese Maschine, die Jedi jagt und tötet. Dieser Zerrspiegel, dieser Schoßhund des Imperators. Meinst du wirklich dieses Wesen?"

"Bingo"

"Dann verrate ich dir mal was. Das ist nicht Anakin. Das ist eine Parodie, ein fleischgewordener Hohn."

"Hör ich da etwa Wut in deiner Stimme?"

"Ach, spotte du nur. Ich, der ganze Orden – wir hatten Anakin vertraut."

"Und das zu Recht. Schließlich ist er der Auserwählte"

"und bringt die Macht ins Gleichgewicht, ich weiß. Wie oft hab ich das gehört – wie oft habe ich mir das selbst eingeredet. Und nun, was macht er? Die dunkle Seite ist stärker denn jeh. Er macht sie so stark."

"Vielleicht ist das ja genau so vorherbestimmt."

"Das kann bloß ein Scherz sein, oder?"

"Sehen Sie mich lachen, General"

"Ich seh dich überhaupt nicht. Ehrlich gesagt, ich sehe gar nichts mehr. Ich sehe keine Zukunft mehr für diese Galaxie."

"Jetzt hör aber mal auf! Was habt ihr von Anakin gefordert: Die Macht ins Gleichgewicht bringen – Und, was denkst du, wie sollte er die Macht ins Gleichgewicht bringen?"

"Ich weiß es nicht."

"Eben. Niemand wußte es. Nicht einmal Meister Windu oder Meister Yoda wussten, wie Anakin diese Aufgabe erfüllen soll."

"Aber kann das der einzige Weg sein? Gäbe es keine andere Möglichkeit, als die Vernichtung aller Jedi? Wofür hätten dann Generationen von Jedi gekämpft?"

"Wie stellst du dir denn einen anderen Weg vor?

"Vielleicht ein anderer Meister, der Anakin ausbildet."

"Du bist dem Wunsch DEINES Meisters gefolgt."

"Ja, leider. Ich war der falsche für diese Aufgabe. Ich hätte es nicht tun dürfen."

"Und dann, was wäre dann passiert? Yoda hätte der Ausbildung sonst nicht zugestimmt – Anakin wäre nie zum Jedi geworden"

"und all das wäre nie passiert."

"Bist du dir sicher? Palpatine war bereits auf den Jungen aufmerksam geworden. Er hätte ihn sich einfach geschnappt – und Anakin wäre mit offenen Armen zur dunklen Seite gegangen."

"Also meinst du, es ist egal, wie ich mich entschieden habe?"

"Nein, es ist nicht egal, wegen einigen Gründen nicht."

"Welche Gründe?"

"Einer heißt Padmè."

"Was hat Padmè damit zu tun?"

"Viel. Er hat sich in sie verliebt. Er hat sie geheiratet und nun sitzt du auf diesem Planeten und betrachtest seinen Sohn beim Großwerden."

"Und?"

"Jetzt überleg doch mal: Warum ist der Sohn Anakin’s so wichtig?"

"Er hat ebenfalls das Potential, ein Jedi zu werden. Er könnte Vader besiegen."

"Oder Anakin zurück zur hellen Seite bringen."

"Anakin wird NIE WIEDER zur hellen Seite kommen."

"Du bist davon überzeugt, wie mir scheint."

"Natürlich – Nenn mir einen Grund, warum Anakin wieder die Seite wechseln sollte."

"L i e b e"

"Anakin’s Liebe ist tot. Er hat nur zwei Menschen geliebt: seine Mutter und Padmè – beide sind seit Jahren tot."

"Drei, Obi-Wan."

"Wie, drei?"

"Anakin’s Liebe galt drei Menschen. Seinen Meister, dich, liebte er auch."

"Blödsinn – Anakin hat mich nie respektiert."

"Liebe und Respekt sind zwei Paar Schuhe. Und, er HAT dich respektiert – er hat versucht, zu tun, was du willst – er wollte dich nicht enttäuschen."

"Natürlich nicht – wie kommst du darauf?"

"Erinnere dich an das Treffen mit den Kashirim, einem kleinen diplomatischen Einsatz. Er verlor sein Lichtschwert. Und dann?"

"Nichts dann."

"Er versuchte, es wiederzuholen. Er wollte Dich nicht enttäuschen – doch er fand es nicht. Dann kam er zu dir. Und du, du hast ihm gleich zwei Lektionen auf einmal erteilt."

"Er hat einen Fehler gemacht."

"Ja, das hat er. Aber, wie oft hast du ihn mal gelobt? Wie oft hat er etwas richtig gemacht und du hast geschwiegen?"

"Was meinst du?"

"Als du auf Muunilist warst, verstieß er gegen deine Befehle und folgte dem fremden Schiff in den Hyperspace. Er kehrte siegreich zurück, er hatte diese Sith-Schülerin in einem langen und schweren Zweikampf  besiegt – und du hast ihm Vorhaltungen gemacht."

"Ich hatte ihm geboten zu bleiben."

"Warst du nicht stolz auf ihn?"

"Doch, das war ich."

"Aber das hat er nie erfahren."

"Hätte ich ihn etwa loben sollen, weil er mich und meine Anweisungen missachtet?"

"Obi-Wan, deine Anweisungen sind nicht das höchste der Gesetze. Es gibt Momente, wo auch ein Meister sich irrt."

"Worauf willst du eigentlich hinaus?"

"Zum einen: Anakin liebte dich. Anakin wollte dich nie enttäuschen – aber du hast es nicht wahrgenommen, denn  du hattest Angst: Angst, dass er ein besserer Jedi wird als du.                  Und diese Angst will ich dir nehmen. Denn Luke Skywalker, sein Sohn, hat das gleiche Potential. Deswegen solltest du damit leben lernen, dass er ebenfalls stärker wird als du."

"Und zum anderen?"

"Du irrst dich, was Anakin angeht. Damals, als du seine Gefühle und Handlungen nicht einordnen konntest. Und heute, denn in diesem Panzer, unter all der Elektronik lebt er noch. Und deswegen ist Luke so wichtig."

"Wie meinst du das?"

"Luke kann ihn erreichen. Er kann Anakin zurückführen."

"NEIN – Anakin ist verloren."

"Das denkst du nur. Aber du wirst deine Meinung ändern – wenn auch nicht in diesem Leben."

"Wann dann –nach dem Tod?"

"Ja, ich denke schon."

"Was macht dich so sicher? Ach ja, ich weiß, Anakin ist ja der Auserwählte"

"Genau – allerdings besteht kein Grund, zynisch zu werden."

"Ach nein – mein Schüler hat mit dem Orden gebrochen und hasst die Jedi. Er jagt und tötet sie."

"Er ist doch nicht der erste, der das tut. Windu verlor seine Padawan Depa an die dunkle Seite, selbst Yoda hat Schüler verloren. Jeder Meister kann einen Schüler verlieren. Aber das liegt nicht nur am Meister. Sicher, du hast Fehler gemacht, aber letztlich hätte in den Wirren des Krieges niemand Anakin vor Palpatine retten können."

"Soll ich mich jetzt besser fühlen?"

"Obi-Wan, du sitzt seit fünf Jahren auf Tatooine. Wer weiß, wie lange du noch warten musst – willst du diese Zeit mit Selbstvorwürfen durchbringen?"

"Ich brauch keinen Fremden, der mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe."

"Wer sagt, dass ich fremd bin?"

"Zumindest weiß ich nicht, wer du bist."

"Es würde nichts ändern, wenn du es wüsstest. Ich wollte dich nur ein wenig aufmuntern und versuchen, deinen Blick wieder gerade zu rücken."

"Und nun, nun kommst du einmal monatlich um zu überprüfen, ob ich gelernt habe, was du mir gesagt hast?"

"Nein, ich werde nicht noch mal kommen. Dieses eine Treffen war schon mehr, als ich überhaupt noch zu hoffen wagte. Unsere nächste Begegnung wird erst stattfinden, wenn du tot bist. Und dann wirst du auch das verstehen, was du heute verweigerst."

"Niemals – Anakin ist tot. Und ich werde Luke nichts über seine Herkunft verraten. Luke soll Vader vernichten. Denn Vader muss vernichtet werden."

"Du irrst dich wieder, Obi-Wan. Was Anakin angeht, scheinst du da ein Privileg zu haben.

Ich hoffe, dass du bei Luke nicht denselben Fehler machst"

"Schlimmer kann es ja nicht kommen."

"Doch, wenn Luke ebenfalls ein Diener Palpatines wird. Er wäre gefährlicher als Vader."

"Dann lass uns hoffen, dass dies nie geschieht."

"Es wird geschehen, wenn Luke seine Ausbildung nicht vollenden kann, ehe er Palpatine begegnet. Er muss auf jeden Fall alles über die Jedi erfahren."

"Ich denke, da lass ich mir was einfallen."

"Wir werden sehen. Ich werde dich jetzt verlassen, Obi-Wan. Ich beneide dich nicht um diese, deine letzte Aufgabe. Aber ich wünsche dir, dass du sie gut erledigt. Möge die Macht mit dir sein."



Obi-Wan spürte, wie die Verbindung der Macht nachließ. Der Fremde hatte Recht – Luke musste alles erfahren. Aber was, wenn Obi-Wan nun vor dem Ende der Ausbildung sterben würden – ein Buch wäre die Lösung. Ein Buch, in dem alles steht, was Luke über die Jedi wissen muss.

Dieses Buch würde Obi-Wan schreiben, hier in der Einsamkeit. Vielleicht würde Luke es ja eines Tages brauchen …



ENDE


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